Theater
Premiere: 05. Mai 12
„Wer sich diese Produktion nicht anschaut, riskiert auf jeden Fall Sauerstoff-Mangel.“
(Junge Welt)
„Das Spiel in den Landungsbrücken gelingt so, dass man gern darüber ins Grübeln kommt.“
(Frankfurter Rundschau)
„Ein sprachakrobatischer, mimisch überzeugender Hochseilakt zweier Klasseschauspieler, dem man willig in den Irrgarten folgt.“
(Strandgut)
Alexander und Alexandra, zwei Menschen in einer Welt im moralischen Vakuum. Alexander liebt Alexandra. Auf einer Reise in die Hauptstadt hat ein Mann aus der Provinz die Frau seines Lebens getroffen. Für sie wird er zum Mörder werden. Alex und Alex. Kein Geld, keine Medizin, keine Droge können helfen, den Durst nach Freiheit und Sinn zu löschen, der sie befallen hat.
Welche Werte zählen, wo können wir Antworten finden, die Suche überhaupt erst beginnen? Auf welche Grundsätze kann ich mich verlassen? Gegen wen kann ich mich auflehnen? Religion? Kommunismus? Sex? Bin ich mit meinem kulturellen Horizont überhaupt fähig, globale Zusammenhänge einzuordnen? Bin ich als Schauspieler mit all meinen guten Absichten ebenso ein Repräsentant der Unausweichlichkeit der Katastrophe, auf die wir zusteuern, weil ich mich einem Text unterwerfe?
In krisengebeutelten Zeiten treffen zwei Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus aufeinander und kämpfen sich durch die Gegenwart mit ihren Wirklichkeiten, sezieren Lüge und Manipulation in peitschend-musikalischen Wortschlachten – und konfrontieren die Bergpredigt mit der modernen Welt.
„Sauerstoff“ ist eine theatralische Beichte. Oder eine moderne Handreichung zur Bergpredigt. In zehn poetischen Strophen mischt der Autor Straßen Slang mit biblischer Sprache, geht anhand von Geschichten aus der russischen Provinz, vom 11. September, einer Reise nach Arabien und der schmerzhaft-intensiven Beziehung von Alex und Alex den Fragen gesellschaftlicher Werte, religiöser Moral und kommunistischer Ideologien nach.
Wyrypajew wechselt mit feiner Ironie die Ebenen zwischen Wahrheit und Behauptung, Kunstfiguren und Schauspielern, lässt die Darsteller mit dem Schicksal ihrer Figuren hadern und stellt sogar die Verweigerung des Fortgangs der Geschichte in den Raum: Die Möglichkeit aus der behaupteten Welt des Theaterabends „Sauerstoff“ auszubrechen, den Autor als schöpfergleichen Richter über Inhalt und Entwicklung der zu spielenden Rolle in Frage zu stellen.
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