Theater

FRÄULEIN JULIE

Die 4. Wand präsentiert
A. Strindberg

Premiere: 13. März 20

Premiere am 13.03.2020 um 20:00 Uhr
Aufführungen am 15.03.//04.04.//05.04.2020, jeweils 20:00 Uhr.

Fräulein Julie.jpg"Schwäche, der Angst nicht widerstehen zu können, dass dasselbe Schicksal uns überholen könnte..............Wenn wir so stark werden wie die ersten französischen Revolutionäre,...........Ich finde die Freude am Leben in seinen grausamen und mächtigen Kämpfen, und mein Vergnügen besteht darin, etwas kennenzulernen, etwaszu lernen....... ....Jedes Ereignis im Leben - und das ist eine ziemlich neue Entdeckung!- ist in der Regel das Ergebnis einer ganzen Reihe von mehr oder weniger tief sitzenden Motiven...... ...Fräulein Julie mit einer Fülle von Umständen motiviert: die "schlechten" Grundinstinkte ihrer Mutter; die unsachgemäße Erziehung des Mädchens durch ihren Vater; ihre eigene Natur und der Einfluss der Vorschläge ihres Verlobten auf ihr schwaches, entartetes Gehirn; auch und sofort: die festliche Atmosphäre der Mittsommernacht; die Abwesenheit ihres Vaters;........die berauschende Wirkung des Tanzes; die helle Sommernacht; der starke aphrodisierende Einfluss der Blüten; und schließlich eine Chance, die diese beiden Menschen zusammen in einen Raum auseinander treibt, plus die Kühnheit des aufgeweckten Mannes....... Er hat Respekt vor dem Fräulein, fürchtet aber Christine, da sie seine gefährlichen Geheimnisse kennt; er ist gefühllos genug, seine Zukunftspläne durch die Ereignisse der Nacht nicht stören zu lassen...... Christine geht in die Kirche, um die Diebstähle im Haus leicht und schnell bei Jesus abzuladen und eine neue Ladung Unschuld einzupacken."

(August Strindberg aus dem Vorwort zu "Fräulein Julie")


In der aufgeladenen Atmosphäre der schwedischen Mittsommernacht am Fest Johannes des Täufers spielt August Strindbergs Stück Fräulein Julie. In der Nacht der „unschuldigen Spiele“, wie Fräulein Julie später sagen wird, aber so unschuldig sind diese Spiele nicht. Hier sehen wir die Gräfin Julie mit ihrem Diener Jean. Sie flirten hemmungslos und ohne Rücksicht auf die Standesunterschiede, bis sie schlussendlich miteinander schlafen. Julie selbstbewusst, aber doch auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt, hat sich genommen, wassie wollte, aber Jean ist darüber erschrocken, gefangen in dem rigiden Ständesystem der Zeit. Er sieht scheinbar nur einen Ausweg: die Flucht.

Da ist aber auch noch Jeans Verlobte Kristin, die sich fromm über Fräulein Julie erhebt und ihm Vorwürfe macht, dass er sich über die Grenzen, die die Dienerschaft von der Herrschaft trennt hinweggesetzt hat. Fräulein Julie ist in ihren Augen nicht fein, wo sie sich so „gemein“ macht. Fräulein Julie, als Frau, die gegen die traditionellen Rollenbilder erzogen wurde, sucht Verständnis bei der anderen Frau, aber diese kann und will kein Verständnis zeigen.

Fräulein Julie sieht in dem endgültigen Schritt über die ihr auferlegten Grenzen von Rolle undStand, den sie in dieser Nacht vollzieht ihre Chance sich zu befreien. Sie erhebt sich über die Unterschiede zwischen Menschen, die sie nicht sehen kann und spürt die Möglichkeit endlich ihren eigenen Weg zu gehen. Aber nicht mit dem stolzen Jean, der vom Aufstieg träumt und den sie vor ihren Augen zerfallen sieht, zu dem was er ist; einem gehorsamen Lakai, der die Flucht vorschlägt, obwohl er nur in Hilflosigkeit verharrt. Sie selbst will nicht fliehen, will aber alles hinter sich lassen. Zeitlebens zerrissen und orientierungslos, sieht sie endlich die Möglichkeit Freiheit zu erlangen.

Keineswegs eine altbackene Tragödie, sondern ein virtuoses Kammerspiel voller Witz und Ironie, Experimentierfreude und Zerrissenheit sowie einer Handlung, die psychologisch so anziehend ist, dass es aus ihr womöglich kein Entrinnen zu geben scheint, ist das Stück auch heute noch aktuell. Das Theaterstück ist das meistgespielte Werk Strindbergs und bringt das Leben zwar ungeschönt auf die Bühne – aber sind wir nicht alle im Herzen ein bisschen wie Fräulein Julie?


Buch
A. Strindberg
Regie
Kosmas Chatziioannidis
Mit
Fräulein Julie: Claudia Dorothea Bernhard // Jan: Josia Jacobi // Christine: Derya Sahin
Weitere
DRAMATURGIE: Jorgi Slimistinos