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UPDATE: VORLÄUFIGE EINSTELLUNG DES SPIELBETRIEBES

Bleibt gesund und solidarisch.

Premiere: 13. März 20


UPDATE 01.06.2020. WIR SPIELEN. ABER ANDERS.

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UPDATE 08.05.2020.:

Ab 09.05.2020 dürften wir theoretisch den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Unter folgenden Bedingungen, die hier nachzulesen sind:

https://www.hessen.de/sites/default/files/media/leseafassung_cokobev.pdf

Gelesen? Wo waren wir, ah ja, ab 09.05.2020 dürften wir nun also theoretisch den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Wir tun das aber nicht. Aus Gründen.

Wir halten die gestern verkündeten Lockerungen für Theater - bei gleichzeitiger Beibehaltung des allgemeinen Kontaktverbotes – für das komplett falsche Signal zur komplett falschen Zeit. Die Pandemie ist nicht vorbei. Noch lange nicht. Und ein zweiter Lockdown wird noch viel krasser reinhauen als der erste schon. Aber ok, wir sind keine Virolog*Innen, wir müssen darauf vertrauen, dass Politiker*Innen hoffentlich gut beraten sind und wissen, was sie tun, also warum nicht?

Wir sind zuallererst Theatermacher*Innen. Weder haben wir Lust, Menschen danach zu fragen, ob sie in einem gemeinsamen Haushalt leben, noch können und wollen wir nachprüfen, ob das dann auch stimmt. Wir wollen auch niemandem bis auf die Toilette hinterher rennen, um zu sehen, ob sie den Abstand einhalten und dabei Masken tragen. Aber ok, wenn das die Zuschauer*Innen nicht weiter stört, warum nicht?

Wir wollen und können auch eigentlich die Verantwortung dafür nicht übernehmen, wenn wir oder andere sich an die Verordnungen nicht halten können oder wollen und damit die Infektionsgefahr wieder unkontrolliert steigt. Und diese Verantwortung nimmt uns in diesem Fall leider niemand ab. Aber ok, wenn sich jemand normalerweise bei uns ein Bein bricht, müssten wir das auch auf uns nehmen, also warum nicht?

Dass sich das wirtschaftlich überhaupt nicht darstellen lässt, wenn wir an den Landungsbrücken vor maximal 20 Leuten spielen, steht außer Frage, aber wirklich wirtschaftlich rechnen tut sich Kunst auch normalerweise nicht – deswegen gibt‘s ja öffentliche Förderung – also, warum nicht?

Auch könnten wir natürlich alle Stücke im Repertoire auf die Abstandsregeln, die nach wie vor selbstverständlich auch auf der Bühne gelten (und auch dahinter in den Garderoben, bei den Umbauten und im Probenbetrieb) um-inszenieren, soweit möglich. Für neue Stücke gilt das sowieso. Wir sind kreativ genug, dass wir das könnten, wir hätten auch die Zeit dafür, bei aller Kurzfristigkeit, das ist schließlich unser Job, also warum nicht?

Ja. Warum denn nun eigentlich nicht? Wir machen Theater. Und Theater besteht für uns nicht nur aus einem Stück, was da vorne ganz weit weg auf einer Bühne gezeigt wird, sondern aus einer Gesamtsituation. Aus einer Atmosphäre, einem Raum, einem Austausch, einem Live-Moment, einem sozialen Zusammensein. Sehnsucht haben, Heimat finden und gemeinsam an unbekannte Orte. Und vor allem auf Basis einer ganz bestimmten künstlerischen Qualität. Die nicht daraus besteht, einfach irgendwie Theater zu machen. Wir machen nicht Theater, weil wir halt Theater machen, egal, was für Umstände herrschen. Und wir werden jetzt auch nicht Theater machen, um halt ganz symbolisch wieder irgendwas zu machen.

Wir machen das, was wir machen, weil es gut ist, relevant ist, wichtig ist, richtig ist, Haltung hat, Humor hat, spannend ist, extrem ist, kontrovers ist, versichert, verunsichert, laut ist, leise ist, vielfältig ist, Sinn hat und macht. Oder es zumindest versucht und dabei scheitert.

Ja, Theater ist ein stetes Umgehen mit unmittelbaren Zuständen und Umständen, räumlich, personell, politisch, gesellschaftlich. Und das geht unter den gegebenen Bedingungen eben noch nicht so wie vorher. Und schon gar nicht ab morgen.

Aber bald. Mit neuen Formaten, die sich mit den gegebenen Herausforderungen dieser Zeit beschäftigen, inhaltlich, formal und ästhetisch und das nicht, weil wir müssen sollen, sondern weil wir wollen.

Stay tuned.

P.S. Wir wehren uns auch schon mal vorsorglich gegen die Unterstellung, wir hätten ja jetzt laut genug geschrien, dass die Politik die Kulturszene im Regen stehen lässt, dass die Maßnahmenpakete an unseren Bedürfnissen vorbei gehen, und dass wir ja sowieso als ganz besondere Menschen natürlich zu feingeistig sind für Hartz IV, dann sollten wir uns doch jetzt bitte nicht so anstellen, wenn wir spielen dürfen. Weil es darum gar nicht geht und weil es Bullshit ist.

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Einstellung des Spielbetriebes an den Landungsbrücken Frankfurt.

Frankfurt, den 13.03.2020

Nun also auch die Landungsbrücken Frankfurt. Wir werden den Spielbetrieb bis auf Weiteres unterbrechen und alle Veranstaltungen absagen.

Wie lange, das lässt sich weder realistisch einschätzen, noch planen, mindestens aber erstmal die nächsten Wochen.

Wenn das hilft, die Verbreitung des Covid-19 Virus so zu verlangsamen, die Kurve der Neuinfizierungen so zu verflachen, dass das Gesundheitssystem genügend Zeit bekommt, sich so vorzubereiten, dass alle Betroffenen schnelle Hilfe bekommen können und alle anderen nicht auf dringend anstehende Behandlungen verzichten müssen, dann ist das das Mindeste, was wir tun können.

Wir müssten das nicht tun, behördlich untersagt ist der Spielbetrieb nicht, das wird aus vielerlei Gründen, vor allem auch finanziellen und versicherungstechnischen Gründen auch zur Zeit wohl eher nicht geschehen. Nichtsdestotrotz halten wir diesen Schritt, auch nach Rücksprache mit den Kolleg*Innen der anderen freien Theater in Frankfurt für den Richtigen. Wenn ein shutdown ein effektiver Weg ist, die Ausbreitung zu stoppen, dann ist der vor allem jetzt wichtig und nicht erst, wenn es gar nicht anders geht.

Wir werden intern daran arbeiten, soziale Härtefälle, wie sie sich komplett durch die Kulturlandschaft ziehen werden, so gut es geht, abzufederen und wir werden vor allem lautstark nach außen fordern, Ausfälle und Kosten, die uns und anderen anfallen durch und während des ruhenden Spielbetriebes, übernommen zu bekommen.

Wir werden auch daran arbeiten, das zu tun, was wir ohnehin am besten können, nämlich kreativ zu sein. Podcasts, Live-Streams, Hörspiele, Aufzeichnungen, was auch immer. Denn wir sind nicht der Ansicht, das Kunst und Kultur das unwichtigste sind, und das, auf was man am ehesten verzichten können muss, sondern ganz im Gegenteil.

Wann und wie es weitergeht, darüber halten wir auf dem Laufenden, wir sind ja nicht weg.

Bleibt gesund und solidarisch.

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